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Betriebliche Altersversorgung und Unternehmenswert

Andreas Rapp

Diplomarbeit im Fach Controlling

vorgelegt in der Diplomprüfung
im Studiengang Betriebswirtschaftslehre
der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Universität zu Köln

Themensteller:
Univ.-Prof. Dr. Carsten Homburg

 Abgabedatum: 
19. September 2003

Note: 1,7

 

Einleitung:

Die Systeme der betrieblichen Altersversversorgung stehen international vor großen Herausforderungen. Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage, der anhaltenden Baisse der Kapitalmärkte sowie der demographischen Entwicklung fällt der tatsächliche Aufwand für die betriebliche Altersversorgung meist höher aus, als in der betrieblichen Kalkulation zugrundegelegt. Bei vielen Unternehmen hat sich die Relation Rentenemp­fänger zu aktiven Anwärtern bei rückläufiger Beschäftigung zuungunsten letzterer ver­schoben, wodurch insbesondere Unternehmen mit unmittelbaren Versorgungszusagen großen Anstrengungen ausgesetzt sind, die zugesagten Leistungen zu erfüllen. Auch ohne Berücksichtigung der betrieblichen Altersversorgung stehen seit einigen Jahren viele Unternehmen bedingt durch sinkende Nachfrage, nachlassender Ertragskraft sowie steigenden Lohnkosten unter einem enormen Kostendruck. Die Gewährung von Pensionszusag­en bedeutet für das Unternehmen eine rechtliche und finanzielle Bindung über mehrere Jahrzehnte, wodurch langfristige Kalkulationen wegen des hohen Maßes an Unsicherheit einem erheblichen Risiko ausgesetzt sind. Zusagen und Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge sind deshalb in der Tendenz rückläufig.

Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland steckt auch die ge­setzliche Rentenversicherung in Schwierigkeiten. Die Hauptprobleme des Generatio­nenvertrags sind in einer Überalterung der Gesellschaft, bedingt durch Geburtenrück­gang, sowie einer steigenden Lebenserwartung bei sinkender Lebensarbeitszeit, begründet. Das Verhältnis von Leistungsempfängern zu Beitragszahlern steigt stetig, wodurch künftige Leistungskürzungen unvermeidbar sind. Die private und die betriebliche Altersversorgung werden deshalb in der Zukunft eine zunehmende Rolle bei der Schließung der Versorgungslücke zwischen letzen Arbeitseinkommen und staatlicher Altersrente spielen. Besonders bedeutend ist hierbei die betriebliche Altersversorgung, da sie aufgrund der flächendeckenden Zugangsmöglichkeiten zu einem Aufbau einer ergänzenden Altersvorsorge und damit zur Schließung der zu erwarteten Versorgungslücke in der gesetzlichen Rentenversicherung bestens geeignet ist. Im Rahmen der Rentenreform 2001/2002 wurde das Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge (BetrAVG) reformiert, welches seit Januar 2002 die Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersvorsorge wesentlich verbessert. Weiterhin wurde die staatliche Förderung erhöht.

Innerhalb der betrieblichen Altersversorgung dominiert in Deutschland der Durchführungsweg der betrieblichen Direktzusage mittels Pensionsrückstellungen. Die hohe Bedeutung dieses Durchführungsweges beruht auf der Wachstumsphase der deutschen Wirtschaft in den 50er und 60er Jahren. Aufgrund des hohen Kapitalbedarfs und fehlender Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung boten sich Pensionsrückstellungen als Instrument zur Innenfinanzierung und der langfristigen Bereitstellung von Kapital an. In jüngster Zeit sind Pensionsrückstellungen aufgrund ihrer zumeist fehlenden Deckung in die Kritik geraten. Im Gegensatz zu Deutschland basiert insbesondere in den angelsächsischen Ländern die Altersversorgung auf Pensionsfonds. Doch auch dieser Durchführungsweg steht aufgrund der teilweise enormen Kursverluste an den Aktienmärkten innerhalb der letzten Jahre in der Kritik.

Aufgrund der hohen Bedeutung von betrieblichen Direktzusagen in Deutschland sowie den in angelsächsischen Ländern dominierenden Pensionsfonds sollen beide Durchführungswege im Hinblick auf eine wertorientierte Unternehmensführung betrachtet werden. Dabei sind die Risiken sowie die Wirkungen steuerlicher und finanzwirtschaftlicher Natur, die sich aus der betrieblichen Altersversorgung ergeben, zu untersuchen. Da durch den Aufbau von Pensionsrückstellungen anderweitiges Kapital im Unternehmen substituiert wird, soll herausgearbeitet werden, ob Pensionsrückstellungen im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen vorteilhaft sind. Hierzu ist es notwendig, die Kapitalkosten von Pensionsrückstellungen zu bestimmen. Weiterhin soll der Einfluss beider Durchführungswege auf den Unternehmenswert in die Verfahren zur Unternehmensbewertung implementiert werden. Im Rahmen eines Vorteilhaftigkeitsvergleichs zwischen Pensionsrückstellungen und Pensionsfonds ist zu untersuchen, inwiefern die veränderten volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die zunehmende internationale Diversifizierung betriebliche Direktzusagen in der heutigen Zeit rechtfertigen.

 

Gliederung:

Abkürzungsverzeichnis. III
Symbolverzeichnis. IV
Abbildungsverzeichnis. VI
Tabellenverzeichnis. VII

1 Einleitung. 1

2 Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung. 2
2.1 Das System der Altersvorsorge. 2
2.2 Gesetzliche und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen der betrieblichen Altersversorgung. 3
2.3 Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung. 4
2.3.1 Direktversicherung 5
2.3.2 Pensionskasse 6
2.3.3 Unterstützungskasse 6
2.3.4 Betriebliche Direktzusage (Pensionsrückstellungen) 7
2.3.5 Pensionsfonds 8
2.4 Zusageformen der betrieblichen Altersversorgung. 8
2.5 Motive der betrieblichen Altersversorgung. 9
2.6 Beurteilung der betrieblichen Altersversorgung. 10

3 Unternehmensbewertung und Pensionsrückstellungen. 11
3.1 Grundlagen. 11
3.2 Die steuerrechtliche Ermittlung von Pensionsrückstellungen. 11
3.3 Analyse der finanziellen Wirkung von Pensionsrückstellungen. 15
3.3.1 Die finanzielle Wirkung einer einzelnen Pensionszusage 16
3.3.1.1 Eine Welt ohne Steuern 17
3.3.1.2 Eine Welt mit einfacher Gewinnbesteuerung 20
3.3.2 Pensionsrückstellungen im Gesamtunternehmenskontext 22
3.3.3 Beurteilung der finanziellen Wirkung von Pensionsrückstellungen 23
3.4 Die Risikostruktur von Pensionsrückstellungen. 24
3.4.1 Betriebsinterne Risiken 24
3.4.2 Betriebsfremde Risiken 26
3.4.3 Beurteilung der Risikostruktur von Pensionsrückstellungen 29
3.5 Die Kapitalkosten von Pensionsrückstellungen. 30
3.5.1 Kapitalzuordnung der Pensionsrückstellungen 30
3.5.2 Fremdkapitalorientierter Ansatz 31
3.5.3 Eigenkapitalorientierter Ansatz 39
3.6 Die Einbeziehung der Pensionsrückstellungen in das Shareholder-Value-Konzept 43
3.6.1 Auswirkungen der Pensionsrückstellungen auf die Free Cash Flows. 44
3.6.2 Adjusted-Present-Value-Ansatz 45
3.6.3 Weighted-Average-Cost-of-Capital-Ansatz 49
3.7 Fazit zur Unternehmensbewertung mit Pensionsrückstellungen. 52

4 Unternehmensbewertung und Pensionsfonds 54
4.1 Grundlagen. 54
4.2 Betriebsmittelbare Pensionsfonds. 54
4.2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 55
4.2.2 Auswirkung auf den Unternehmenswert 55
4.3 Betriebsunmittelbare Pensionsfonds. 58
4.3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 59
4.3.2 Auswirkung auf den Unternehmenswert 60
4.4 Fazit zur Unternehmensbewertung mit Pensionsfonds. 61

5 Vorteilhaftigkeitsvergleich zwischen betrieblicher Direktzusage und Pensionsfonds 62

6 Die Ausgliederung von betrieblichen Direktzusagen auf einen Pensionsfonds 65

7 Fazit 66

Anhang 1: Rechenmodell zur Kapitalkostenbestimmung. 70
Rechtsquellenverzeichnis. 73
Literaturverzeichnis. 74

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